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Fischsuppe zum Frühstück

Dreieinhalb Wochen waren vier Allgäuer bei der Fernost-Rennserie in Asien unterwegs. Die größte Herausforderung war die fremde Kultur

Sebastian Holzmann

Bei einem der letzten Rennen der Saison in Russland ist es passiert: Rücken verzogen. Der dreiwöchige Trip zur Rennserie um den Far East Cup ging für Sebastian Holzmann schmerzhaft zu Ende. Zurück im Allgäu, führt der tägliche Weg des Oberstdorfers nun erst einmal in die Praxis des Physiotherapeuten. Unter dem Strich, sagt der 24-Jährige, habe sich der Ausflug nach Japan und Russland aber gelohnt. Wichtige Punkte für die FIS-Rangliste hat er dort gesammelt, im internationalen Klassement einen großen Sprung nach vorn gemacht.

„Wenn alles gut geht, starte ich in der kommenden Saison im Slalom-Weltcup nicht mehr mit 50er-Nummern, sondern direkt nach den Top 30. Das macht einen großen Unterschied“, sagt Holzmann. Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Ski-Verbands war eine ganze Trainingsgruppe über einen so langen Zeitraum beim Far East Cup, einem Pendant zum Europacup, dabei. Neben Holzmann stellten sich mit Julian Rauchfuss, Alexander Schmid (beide Fischen) und Philipp Schmid (Oberstaufen) weitere Allgäuer der Herausforderung – und dem Kulturschock. Noch vor dem Abflug aus Memmingen stärkten sich die jungen Männer mit einer ordentlichen Portion Steak. „Vor dem Essen in Asien hatte ich Angst“, meint Holzmann lachend. Der Ernährungsplan der Sportler ist streng auf Trainings- und Wettkampfprogramm abgestimmt. Doch in den japanischen Hotels gab’s statt Marmelade, Frischkäse und Brot bereits zum Frühstück Fischsuppe und Reis. Anscheinend ist es Holzmann aber wohl bekommen. Denn auf der Piste lief es rund.

„Ja, es hätte in der Tat nicht besser sein können. Das hat mich schon überrascht“, erzählt der 24-Jährige. In Sapporo kam er zum Auftakt auf Platz zwei im Riesenslalom, einen Tag später feierte er den Sieg im Slalom. In Engaru kamen zwei weitere Slalom-Triumphe dazu. Schnell hatte sich Holzmann in die erste Startgruppe vorgearbeitet. „Und das trotz des Jetlags“, sagt er. In Yuzhno-Sakhalinsk im fernen Osten Russlands, über 6500 Kilometer von Moskau entfernt, wagte sich der Oberstdorfer auf ungewohntes Terrain und startete im Super-G. „Das war reine Gaudi. Ich habe diese Rennen als Training für den Riesenslalom genutzt. Mir fehlt einfach das Gefühl für die längeren Rennski“, erklärt er angesichts der Plätze 24 und 26. Obwohl Holzmann nur elf von insgesamt 21 Wettkämpfe der Fernost-Serie bestritten hat, schloss er den Asien-Trip als Dritter der Gesamtwertung ab. Alexander Schmid folgt auf Rang 13, Philipp Schmid auf 41 und Julian Rauchfuss auf 83.

Von Land und Leuten hat die bayerische Trainingsgruppe wenig gesehen. Jeden Tag ging es eine Stunde lang mit dem Bus von den Hotels in die Skigebiete, die meiste Zeit verbrachten die Sportler auf den Pisten. Auch an die dortigen Gegebenheiten mussten sie sich erst gewöhnen. „Die Liftanlagen sind im Vergleich zu unseren sehr veraltet. Aber die Pisten waren astrein präpariert“, sagt Holzmann. Sein Ziel für die kommende Saison ist ambitioniert: Im Weltcup will er schon bald zu den besten 30 Slalomfahrern der Welt gehören.

Stephan Schöttl/Allgäuer Anzeigeblatt vom 29.03.2017