Springer Vierschanzentournee

Wirtschaftsjunioren diskutieren in der Erdinger Arena

"Das Allgäu ist zu brav in der Außendarstellung" - Wirtschaftsjunioren diskutieren in der Erdinger Arena darüber, wie die Region noch attraktiver für Gäste werden könnte

Der Ort war passend gewählt: Draußen in der Erdinger Arena trainierte die Skisprung-Nationalmannschaft der Frauen bei Flutlicht auf den Schanzen, während im Ski-Museum über das Thema „Erster zu werden ist schon schwer – Erster zu bleiben noch viel mehr“ diskutiert wurde. Die Wirtschaftsjunioren hatten zu ihrem Herbstgespräch eine interessante Runde eingeladen, um die Frage nach dem Schlüssel für dauerhaften Erfolg zu beleuchten. Neben Gastgeber Dominik Fritz von der Oberstdorfer Skisport- und Veranstaltungs GmbH, saßen auch Niklas Zötler von der gleichnamigen Traditionsbrauerei in Rettenberg und Marc Wenz von der Iconic Brands GmbH, der äußerst erfolgreich zwei Outlets in Sonthofen und Immenstadt betreibt, auf dem Podium. So war es den Veranstaltern um den Moderator des Abends, Steffen Junker, gelungen, verschiedene Perspektiven auf das Thema Erfolg abzubilden: Wenz berichtete, wie man mit einer guten Idee in kürzester Zeit seinen Umsatz vervielfachen und expandieren kann. Zötler, der die Familienbrauerei in 21. Generation führt, erzählte von der Herausforderung, innovativ zu sein und gleichzeitig die Tradition zu bewahren. Fritz gab einen Einblick, wie man selbst die bedeutendste Wintersport-Serie der Welt, die Vierschanzentournee, noch punktuell verbessern kann. Die Frage, wie man dauerhaft erfolgreich sein kann, wurde vor allem in Hinblick auf die Region diskutiert. „Eine Weiterentwicklung des regionalen Marketing wäre wichtig“, forderte Zötler. Man müsse sich wieder stärker darauf konzentrieren, dass auch zahlungskräftige Familien ihren Urlaub im Allgäu verbringen. „Wenn die mit den dicken Taschen, nur noch nach Österreich und in die Schweiz fahren, werden wir durchgereicht“, kritisierte Zötler. „Für uns ist es lebenswichtig, dass sich der Tourismus in der Region weiterentwickelt.“ „Das Allgäu ist zu brav in der Außendarstellung“, schlug Marketing-Fachmann Wenz in die gleiche Kerbe. „Ich bin viel unterwegs und viele kennen das Allgäu gar nicht.“ Er schlug vor, ein großes Ski-Opening mit einer bekannten Band auf die Beine zu stellen, um auch wieder junge Leute für die Region zu begeistern. Für diese Zielgruppe bräuchte man aber auch die passenden Übernachtungsangebote. „Das Allgäu hat ein Defizit, was ein differenziertes Hotelangebot angeht.“ Zwischen einfachen Urlaubspensionen und Premium-Angeboten wie der Sonnenalp in Ofterschwang klaffe eine große Lücke. Das Explorer-Hotel in Fischen sei die einzige Ausnahme.
„Wir stehen uns auch oft selbst im Weg“, kritisierte Wenz und nannte das geplante Chalet-Hotel in Bühl am Alpsee als Beispiel. „Immenstadt braucht dringend ein Hotel. Dann will jemand 20 Millionen Euro investieren und es gibt eine Bürgerinitiative dagegen.“
Marc Wenz berichtete auch von Widerständen gegen die Altwaren-Vermarktung in seinen Outlets. „Der größte Gegner ist der Einzelhandel“, erzählte der Unternehmer. Doch diese Sorge sei unbegründet, so hätten sich beispielsweise in Sonthofen zwei Einzelhändler neben dem Allgäu-Outlet angesiedelt und profitierten von der hohen Kundenfrequenz und der Infrastruktur. „Die Leute müssen verstehen, die größte Gefahr für den Einzelhandel ist das Internet, nicht die Outlets.“

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 14.11.2014

Erdinger Arena Hauptgebäude
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