Springer Vierschanzentournee

Wenn der Vater mit dem Sohne

Janne Ahonnen und Filius Mico trainieren gemeinsam in Oberstdorf

Norweger und Japaner, Tschechen und Polen, Franzosen und Slowenen, Skispringerinnen und Kombinierer – alle wollen aufs Eis. In der Oberstdorfer Erdinger-Arena herrscht Hochbetrieb: Teams aus aller Welt reisen an, um auf den gekühlten Eisspuren an beiden Schanzen zu trainieren. Denn mit diesem Angebot sind die Oberstdorfer international spitze. Nirgendwo sonst gibt es eine Skisprunganlage, die zwei Schanzen mit Eisspuren für das Training im Herbst bietet. Die Spitzensportler sind froh über diese letzte willkommene Möglichkeit, sich unter Bedingungen,
die dem Wintertraining sehr nahekommen, auf die bevorstehende Wettkampfsaison vorzubereiten. Junge Talente und erfahrene Springer teilen sich derzeit die Schanzen. Marc Ganserer vom Skiclub Oberstdorf fachsimpelt mit bekannten Kollegen wie Martin Schmitt oder Michael Neumayer.

Und man entdeckt erstaunt ein anderes im Weltcup für das sparsame Mienenspiel bekanntes Gesicht. „Das ist doch...???“, fragen sich die Besucher, die in der Erdinger-Arena dem Trainingsbetrieb zuschauen. Janne Ahonen ist zurück. Mit seinen 36 Jahren will es der „Mann mit der Maske“ heuer noch einmal wissen im Skisprung-Weltcup. Und obwohl der Mangel an Emotion und Humor schon so etwas wie ein Markenzeichen des schweigsamen Finnen wurde, schaut er in Oberstdorf fröhlich einem kleinen Blondschopf nach, der mit der finnischen Nachwuchsmannschaft mutig von der Großschanze segelt. Das ist Ahonen junior, Mico, elf Jahre alt und Skispringer seit dem Kindergartenalter. „Mit fünf Jahren hat Mico mit dem Skispringen angefangen“, erzählt Papa Janne stolz. Auch der zweite Sohn Milo, der gerade erst fünf geworden ist, hat in der Heimatstadt Lahti mit dem Schanzensport begonnen.

Das Talent zum Skispringen wurde den beiden in die Wiege gelegt. Janne Ahonen, der mit 36 Jahren zum zweiten Mal nach dem Rücktritt als Leistungssportler ein Comeback wagt, feierte in Oberstdorf seine größten Triumphe. Er wurde 2005 Weltmeister auf der Großschanze und Dritter auf der Normalschanze. Die Basis für seine fünf Siege bei der Vierschanzentournee legte er mit zwei Tagessiegen (2004/2005) und drei weiteren Podestplätzen ebenfalls am Schattenberg. Kein Wunder also, dass er sich in Oberstdorf wohlfühlt. Zuversichtlich blickt er auf die kommende Saison. Vor drei Jahren habe er sich nicht mehr fürs Training motivieren können, erzählt er, „Ich dachte, nun bin ich zu alt fürs Skispringen“. Aber es habe ihm immer etwas gefehlt und inzwischen sei die Motivation wieder da, im Olympiajahr noch was zu reißen.

Hervorragend in Form

„Mehr als je zuvor sogar“, versichert er. Er sei in einer hervorragenden Verfassung und habe die gleiche reelle Chance auf vordere Plätze wie die jungen Springer. Auch die derzeitige Flaute in der erfolgsverwöhnten finnischen Mannschaft spornt ihn an. „Zwar springe ich wie jeder andere Athlet zuerst für mich allein“, meint er, „aber vielleicht
kann es dem Team helfen, einen wie mich wieder dabeizuhaben“. Drei Tage trainierten Ahonen sen. und Ahonen jun. gemeinsam in Oberstdorf. Am 28. und 29. Dezember dürfen sich die Skisprungfans beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee auf ein Wiedersehen freuen. Mico muss noch ein wenig warten mit dem Debüt. Papa
Janne war 15, als er Premiere im Weltcup feierte. Ein Jahr später holte er sich in Engelberg den ersten Sieg.

Text: Elke Wiartalla

Janne Ahonnen mit seinem Sohn Mico beim Training in der Erdinger Arena
Janne Ahonnen mit seinem Sohn Mico beim Training in der Erdinger Arena