Springer Vierschanzentournee

Weltpremiere in Oberstdorf

Erdinger Arena derzeit weltweit die einzige Skisprunganlage, die zwei Schanzen mit modernem Anlaufsystem bietet.

In der Oberstdorfer Erdinger Arena herrschte in den vergangenen Wochen Hochbetrieb: Teams aus Italien, Russland und den USA und auch der deutsche A-Kader, sie alle reisten an, um die neue gekühlte Eisspur an der Großschanze zu testen Denn über Sommer haben sich die Oberstdorfer international an die Spitze gesetzt. Durch die Nachrüstung der HS 137 ist die Erdinger Arena derzeit weltweit die einzige Skisprunganlage, die sogar zwei Schanzen mit dem modernen Anlaufsystem bietet.

Anfang Mai wurde die alte Spur abgebaut und der Schanzenanlauf auf die veränderten Anforderungen vorbereitet. Im Juni montierten die Fachleute das neue Anlaufsystem. Zuerst musste dafür die Unterkonstruktion erneuert und anschließend die Spur mit integrierten Kühlaggregat und Bewässerungssystem eingebaut werden. Inzwischen ist der Eisaufbau für den Winterbetrieb abgeschlossen und die Spur perfekt gefräst. Für die Spitzensportler eine letzte willkommene Möglichkeit, sich „sanft“ auf das Wintertraining einzustellen, denn die Schanzen stehen kurz vor der Umstellung vom Sommerbetrieb mit Mattenunterlage auf Schnee.

Der Skiclub Oberstdorf hat mit dem neuen Anlaufssystem, das künftig für alle Weltcup-Veranstaltungen verpflichtend ist, bereits im vergangenen Winter Erfahrungen gesammelt. Die im Vorjahr neu gebaute Normalschanze war von Beginn an mit der gekühlten Eisspur ausgerüstet und war von Trainern und Sportlern gleichermaßen gelobt worden.

Nun ist also auch die Großschanze präpariert für die modernen Ansprüche. Bundestrainer Werner Schuster freute sich darum über die Chance, mit den Springern vom Nationalkader auf der neuen Eisspur zu trainieren. „Das hier kommt dem Winterspringen doch sehr nahe und gibt uns die Gelegenheit den Umstieg vom Sommer- auf Wintertraining möglichst schonend zu schaffen“, stellte er zufrieden fest. Die Anforderungen von sportlicher Seite würden immer größer, die Abstimmung mit manchen Anlagenbetreibern sei jedoch immer schwieriger geworden. Statt die Schanzen bereits im Oktober „einzuwintern“, wünschte er sich mehr Flexibilität.
Gute Trainingsvoraussetzungen und eine Unterstützung, wie sie derzeit von Oberstdorf geleistet würde, sei enorm wichtig, um einen vermeintlichen Heimvorteil bei der Vierschanzentournee auch tatsächlich nutzen zu können.

Auch Andreas Bauer, der Bundestrainer der Damen, lobt das Team von Skisport- und Veranstaltungs GmbH für ihren personellen und logistischen „Spagat“, die Schanzen so lang wie möglich für den Trainingsbetrieb offen zu lassen, ohne die Präparierung für die Tournee zu gefährden. Für den Deutschen Skiverband bedeute das Angebot eine riesige Kostenersparnis, denn sonst müsste man in dieser Jahreszeit mit großem Aufwand irgendwo nach Nord-Finnland reisen. Die vereisten Spuren in Oberstdorf dagegen böten Bedingungen wie im Winter. „Dass man auf Matten landet, ist zweitrangig, denn der Sprung wird im Anlauf und Absprung geboren“, erklärt der Nationalcoach der Damen.

Text: Elke Wiartalla

Eisspur auf der Großschanze der Erdinger Arena
Eisspur auf der Großschanze der Erdinger Arena