Springer Vierschanzentournee

Tour de Logistik

Am Samstag startet in Oberstdorf das härteste Etappenrennen der Welt. Mit einem Tross von 900 Personen stellt es die Organisatoren vor besondere Herausforderungen

In Oberstdorf nehmen sie’s mal wieder mit Humor und Gelassenheit. Sie könnten stöhnen (nach vier anstrengenden Tournee-Tagen), sie könnten jammern (weil der Winter nun alles nachholt, was er bis Weihnachten versäumt hat).
Und sie könnten lamentieren, dass andernorts die Menschen die Tage zwischen den Jahren gerne mal an der Kanapee-Nordwand verbringen anstatt bei beißenden Minusgraden und nicht enden wollendem Flockenwirbel Kisten zu schleppen oder Hinweisschilder in den gefrorenen Boden zu rammen. Aber weil sie grad eh im Hochfrequenz-Modus sind, verschwenden die Weltcup-Organisatoren und die vielen freiwilligen Helfer momentan keinen Gedanken an einen gemütlichen Jahresausklang. Nach erfolgreich über die Bühne gebrachter Vierschanzentournee ging es gestern nahtlos weiter. Am Wochenende startet erstmals in Oberstdorf die neunte Auflage der Tour de Ski, dem siebenteiligen Etappenrennen, das die härtesten Langläufer innerhalb von elf Tagen in fünf verschiedene Orte in Deutschland, der Schweiz und Italien bringt. Die Tour de Ski ist vor allem eine Tour de Logistik, denn der Tross aus Athleten, Betreuern, Fernsehen, Sponsoren und Medienvertretern ist mit 900 Personen fast drei Mal so groß wie bei der Vierschanzentournee. Eine der kniffligsten Aufgaben für die Organisatoren in Oberstdorf war es, in der heißesten Urlaubszeit für jeden ein Quartier zu finden. „Auch wenn wir auf Hotels bis nach Kempten ausweichen mussten, so
haben wir doch alle im Bett“, vermeldete OK-Chef Stefan Huber schon vor einer Woche Vollzug.
Vollzug kann auch Rennleiter Georg Zipfel melden: „Jetzt haben wir das, worauf wir so lange gewartet haben: Schnee, Schnee, Schnee.“ Doch rundum zufrieden ist der Schwarzwälder nicht, denn das Weiß der letzten Tage sei extrem locker. Zu „fluffig“, um eine widerstandsfähige Loipe zu basteln. „Gut, dass wir zusätzlich Maschinenschnee produzieren können“, sagt Huber. Doch Zipfel bremst: „So oder so, die Helfer müssen bis zuletzt unglaublich hart und sensibel arbeiten, damit wir eine tolle Veranstaltung bieten können.“ Nachdem vor wenigen Tagen noch alles grün war, konnte nun aus einer 2-km- sogar eine attraktive 2,5-km-Runde gemacht werden. „Wir haben es geschafft, dass zum Prolog am Samstag jeder Athlet zweimal durchs Stadion fährt“, freut sich Zipfel. Und die Verfolgungsrennen am Sonntag, bei denen nach den Zeitrückständen vom Vortag gestartet wird, garantieren ohnehin Spannung pur. Huber, der mit 8000 Zuschauern am Wochenende rechnet, legt den Langlauf-Fans die Eröffnungsfeier am Freitag ab 18 Uhr in Nordic Park nahe. Neben der Vorstellung aller 25 Teams gebe es zur Einstimmung auch ein Feuerwerk.

Zeitplan

Freitag, 02.01.2015: Eröffnung

18.00 Uhr Offizielle Eröffnungsfeier mit Präsentation aller Teams im Nordic Park

Samstag, 03.01.2015: Prolog

09.30 Uhr Einlass
10.45 Uhr Prolog Damen 3 km Freistil
12.45 Uhr Prolog Herren 4 km Freistil
anschließend Siegerpräsentation im Stadion
19.00 Uhr Siegerehrung im Nordic Park

Sonntag, 04.01.2015: Verfolgungsrennen

09.30 Uhr Einlass
11.00 Uhr Verfolgung Damen 10 km Klassisch
12.15 Uhr Verfolgung Herren 15 km Klassisch
anschließend Siegerehrung im Stadion

Änderungen des Zeitplans vorbehalten

Text: Thomas Weiss / Elke Wiartalla, Allgäuer Anzeigeblatt, 31.12.2014

Die Vorbereitungen im Ried laufen auf Hochtouren
Die Vorbereitungen im Ried laufen auf Hochtouren