Springer Vierschanzentournee

Schnee für Tournee gesichert: haben wir keinen, machen wir einen

Eine Spezialfirma aus Finnland sorgt dafür, dass der Start der Vierschanzentournee stattfinden kann.

Nur warten, Däumchen drehen und Frau Holle anflehen, das wollten die Organisatoren der Vierschanzentournee in Oberstdorf nicht. Sie mussten handeln. Schließlich sind für das Auftaktspringen am 27. und 28. Dezember bereits zigtausend Tickets verkauft. „Eine solche Nachfrage hatten wir zuletzt zu Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald“, freut sich der Vorsitzende des Skiclubs Oberstdorf, Dr. Peter Kruijer. Er sieht im Verkauf von 70 Prozent der Tickets aber auch eine Verpflichtung, in den verbleibenden neun Tagen für einen Farbwechsel an der Schattenbergschanze zu sorgen: von Grün auf Weiß.

Zwar ist der untere Teil des Aufsprunghügels noch mit einer dünnen Schicht Maschinenschnee bedeckt, doch der Regen setzte auch diesem kleinen weißen Fleck im ansonsten grünen Allgäu gehörig zu. Wegen der eher ungünstigen Wetterprognosen mit milden Temperaturen auch in der nächsten Woche sowie angesichts der Tatsache, dass weder von den Höhenlagen der Oberstdorfer Berge noch aus den „Schneelöchern“ Rohrmoos und Balderschwang die nötigen Mengen Schnee herangekarrt werden können, blieb Organisations-Chef Stefan Huber nun keine andere Wahl, als die Natur mit moderner Technik auszutricksen.

Die Spezialfirma „SnowTek“ aus Finnland wurde beauftragt, Ende dieser Woche in der Erdinger Arena in Oberstdorf ein fast zehn Meter hohes Silo aufzubauen und darin – nahezu unabhängig von den Außentemperaturen – Schnee zu produzieren. Das Prinzip klingt einfach: Auf der einen Seite kommt Wasser rein, auf der anderen Seite Schnee heraus. Im Silo-Inneren wird das Wasser so weit heruntergekühlt, bis Eis entsteht. Durch ein spezielles Abschab-Verfahren wird das Eis in Milliarden kleine Kristalle zerkleinert und als weißes Pulver ausgespuckt. Das Prinzip, so der Hersteller,
funktioniere auch bei 30 Grad plus. Auch Hubers Kollege in Klingenthal, Alexander Ziron, hatte zum Saisonauftakt Ende November den finnischen Kunstschnee bestellt, um die Vogtland-Arena für ein paar Stunden Sport und die passenden Fernsehbilder in eine Winterlandschaft zu verwandeln.

Wie viel Geld und Energie dafür aufgebracht werden müssen – Ziron und Huber hüllen sich in Schweigen. Der Oberstdorfer Organisator rechnet aber gleich hoch, dass eine Absage der Vierschanzentournee, wohlgemerkt die erste seit Bestehen der Tournee 1953, einen hohen finanziellen Schaden anrichten würde und zudem ein Imageschaden für die Winterregion Allgäu bedeuten würde.

„Die Vierschanzentournee ist die wirtschaftliche Basis für den Skiclub Oberstdorf und die Skisport- und Veranstaltungs GmbH“, so Huber. Der 39-Jährige gibt sich kämpferisch: „Wir werden auch in diesem schwierigen Jahr unsere Schneekompetenz unter Beweis stellen.“ Mit der Verpflichtung der Finnen sei der Tournee-Auftakt nun zu 99 Prozent sicher, sagt Huber. Einzig das Wetter am Veranstaltungstag mit starken Stürmen oder einem extremen Wärmeeinbruch würde noch ein Restrisiko darstellen.

Das nächste wichtige Datum ist der 20. Dezember: Dann kommen die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes zur offiziellen Schneekontrolle ins Allgäu. Die FIS-Funktionäre nehmen dann das Langlaufstadion im Ried unter die Lupe, wo am 3. und 4. Januar erstmals die Auftaktetappe der Tour de Ski stattfinden soll.„Die Situation ist kritisch, aber nicht aussichtslos“, sagt Huber, der für die Beschneiung der Langlaufloipen mit Maschinenschnee noch einige kalte Tage benötigt. „Finnen-Schnee“ sei für die Tour de Ski nicht angedacht – allein schon wegen der großen benötigten Menge.

Text: Thomas Weiß mit freundlicher Genehmigung des Allgäuer Zeitungsverlages
Foto: Matthias Becker

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