Springer Vierschanzentournee

Mediale Aufmerksamkeit von Großveranstaltungen touristisch nutzen

FIS-Marketingdirektor Jürg Capol erklärt in Oberstdorf, wie man die mediale Bekanntheit durch Skispringen und Langlaufen touristisch nutzen kann

Ski-Weltmeisterschaften, Vierschanzentournee, Skifliegen, Tour de Ski im Langlauf – die Liste der Wintersport-Großveranstaltungen in Oberstdorf ist lang. Doch seit diese Wettkämpfe unterm Nebelhorn stattfinden, werden sie von der kritischen Frage begleitet, ob sich die Investitionen in Schanzen und Loipen lohnen. „Sport-Großveranstaltungen und Tourismus – Widerspruch oder Chance?“ lautete der Titel, zu dem der CSU Ortsverband in das Ski-Museum der Erdinger Arena geladen hatte.

Und die Vielzahl der Interessierten zeigte, dass das Thema immer noch aktuell ist. Oberstdorf bewirbt sich derzeit um die Skiflug-Weltmeisterschaft 2018 und die Ski-WM 2019. Zudem war es gelungen, einen hochkarätigen Referenten zu gewinnen: Jürg Capol, der FIS-Marketing-Direktor für die Nordischen Disziplinen und Erfinder der Tour de Ski, war gekommen, um mit den Oberstdorfern über den Nutzen von Sport-Großveranstaltungen für den Ort zu diskutieren. Die zentrale Botschaft des ehemaligen Weltklasse-Langläufers aus der Schweiz: Die Bekanntheit, die ein Ort zum Beispiel durch Fernsehübertragungen erlangt, reiche alleine nicht aus. Die dadurch erzielte Aufmerksamkeit biete gute Voraussetzungen, aus denen Tourismusdestinationen auch etwas machen müssen. „Werbung durch die Veranstaltung alleine reicht nicht“, sagte Capol. „Tourismusorganisationen müssen den nächsten Schritt gehen.“ Dafür sei es wichtig, in der Zeit nach einer Veranstaltung mit Werbung gezielt die Zielgruppe anzusprechen, die durch den Sportwettkampf erreicht wurde und die interessant ist.

Intensive Diskussion

Über die Thesen des FIS-Marketing-Direktors wurde intensiv diskutiert. „Unsere große Aufgabe für die Zukunft ist es, nicht nur die Bekanntheit zu erzielen, sondern auch Begehrlichkeiten zu wecken, um mehr Buchungen zu bekommen“, sagte die Hotel-Unternehmerin Julia Eß-Meier. „Bevor Menschen nach Oberstdorf kommen, müssen sie erst einmal von Oberstdorf gehört haben“, betonte CSU-Bürgermeisterkandidat Fritz Sehrwind. „Sportveranstaltungen sind ein wesentlicher Baustein im Konzert der Werbemaßnahmen von Oberstdorf als Tourismusdestination.“ Der langjährige Vorsitzende des Oberstdorfer Skiclubs, Josef Geiger, unterstrich den Nutzen des beschneiten Loipennetzes für den Tourismus. „Es ist gewaltig, was nach der WM 2005 an Nachhaltigkeit entstanden ist.“ Auch die vielen Besucher der Erdinger Arena und die hohe Zahl von Sprüngen der Nachwuchsathleten seien Beispiele. „Aber es ist wichtig, dass wir wieder eine WM bekommen, damit wir den Standard aufrechterhalten können.“ Der ehemalige Oberstdorfer FIS Funktionär Oskar Fischer forderte, sich nicht nur auf die internationalen Titelkämpfe zu beschränken. „Wir müssen auch die Zeit zwischen den Weltmeisterschaften abdecken.“ Hotelier Jürnjakob Reisigl stellte den Nutzen von Sportgroßveranstaltungen für den Tourismus heraus: „Diejenigen, die die Chance ergreifen, können richtig profitieren“, betonte Reisigl. „Die Sportveranstaltungen sind für uns ein Mittel, um uns touristisch gut aufzustellen.“

So sah das auch Gemeinderat Otto-Mäx Fischer (Allianz für Tourismus/FDP): „Es geht um die Förderung des Tourismus mit dem Sport als Vehikel.“ Einen konkreten Ratschlag hatte der FIS-Marketing-Experte auch noch parat. „Am Ortseingang steht nirgendwo ein Schild, dass Oberstdorf ein WM-Ort ist“, sagte Capol. „Die Gäste wollen wissen, dass sie in einem mehrmaligen WM-Ort Urlaub machen.“

Text und Foto: Michael Mang, Allgäuer Anzeigeblatt

Jürg Capol bei seinem Vortrag in der Erdinger Arena
Jürg Capol bei seinem Vortrag in der Erdinger Arena