Springer Vierschanzentournee

Ich will es schaffen

Seine besten Zeiten liegen schon lange zurück, trotzdem will sich Martin Schmitt noch einmal für Olympische Spiele qualifizieren. Der Weg dahin soll auch über Oberstdorf und die Tournee führen.

35 Jahre ist Martin Schmitt alt. Zwischen 1997 und 2003 war er einer der erfolgreichsten Skispringer. Er und Sven Hannawald waren Superstars. Schmitt wurde viermal Weltmeister, gewann Olympisches Gold und 28 Weltcups. Sein letzter Sieg liegt mittlerweile aber schon elf Jahre zurück. Trotzdem ist er immer noch einer der beliebtesten deutschen
Wintersportler. In seiner letzten Saison will er noch einmal zu den Olympischen Spielen.
Die Vorbereitung auf den Winter neigt sich dem Ende entgegen. Wie geht es Ihnen?
Schmitt: Ich liege in den letzten Zügen des Sommer-Trainings und bin eigentlich ganz gut durch den Sommer
gekommen.
„Ganz gut“ bedeutet verletzungsfrei?
Schmitt: Ja. Und ich bin auch nicht unzufrieden, wie es gelaufen ist. Ich hatte nur gehofft, dass ich bei den ersten Wettkämpfen schon ein bisschen näher dran bin. Grundsätzlich sind mir einige Sachen ganz gut gelungen und ich konnte das Grundniveau etwas anheben. Aber noch bin ich nicht da, wo ich sein will.
Sie haben weitgehend allein trainiert. Wie muss man sich das vorstellen?
Schmitt: Es war abgesprochen, dass ich diesen Weg gehe. Ich habe viel hier im Stützpunkt trainiert, aber auch einen Lehrgang mit der A- und einen mit der B-Mannschaft gemacht. Außerdem war ich einige Male in Oberstdorf zum Training, hatte also trotzdem genügend Vergleichsmöglichkeiten und von den Trainern immer die volle Unterstützung.
Sie haben die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi als ihr letztes großes Ziel ausgegeben. Wie groß schätzen Sie die Chancen ein, es zu erreichen?
Schmitt: Ich habe neulich eine Umfrage gelesen, in der mir 40 Prozent zutrauen, dass ich es schaffe. Das ist eine recht realistische Einschätzung. Jetzt muss ich erst einmal zusehen, dass ich wieder ins Weltcupteam springe. Das ist mir über den Sommer nicht gelungen. Ich glaube aber schon, dass ich den Anschluss schaffen kann. Allerdings haben wir eine sehr starke Mannschaft mit vielen jungen Sportlern, die schon auf einem Top-Niveau sind. Nur wenn alles passt, kann das klappen.
Und wenn es nicht klappt?
Schmitt: Dann ist das auch nicht so tragisch. Ich habe mich wegen Olympia entschieden, noch einmal eine Saison dranzuhängen. Ich will einfach noch mal probieren, ob es mir gelingt. Und ich will sehen, was ich aus meinem Körper im fortgeschrittenen Sportleralter noch herausholen kann. Wenn es mit Olympia klappt, ist es schön. Wenn nicht,
hatte ich schöne Olympische Spiele in der Vergangenheit. Dann ist eben die nächste Generation am Zug.
Wie ist der Weg ins Weltcup-Team?
Schmitt: Bundestrainer Werner Schuster hat sein Team für den Weltcup im Großen und Ganzen zusammen. Alle anderen, mich eingeschlossen, müssen sich über den Continental-Cup empfehlen. Und im Weltcup muss man dann entsprechende Ergebnisse erzielen, um die Olympia-Norm zu erfüllen.
Ihr Weg führt also wie im Vorjahr erst einmal in den zweitklassigen Continental-Cup. Der Bundestrainer hat das als Knochenmühle bezeichnet...
Schmitt: Ja, aber das ist nichts Ungewöhnliches. Das hört sich nur so furchtbar an, ist es aber nicht. Das Ziel ist, mit der Spitze auf Augenhöhe zu sein. Wenn man dafür vorher ein paar Sprünge im Continental-Cup macht, ist das nicht so tragisch. Da kann man sich auch Selbstvertrauen holen, wie es bei mir im vergangenen Jahr vor der Vierschanzentournee der Fall war. Aber natürlich ist das nicht der angestrebte Dauerzustand.
Sie sind immer noch einer der bekanntesten und beliebtesten Wintersportler in Deutschland. Warum?
Schmitt: (lacht) Ich bin halt lange genug dabei. Wenn ein Andi Wellinger mal 15 Jahre im Weltcup ist, dann wird man ihn auch kennen.
Hannawald hat ein Buch geschrieben. Wann lesen wir Ihre Biografie?
Schmitt: Eigentlich habe ich es nicht vor. Vielleicht überlege ich mir das irgendwann anders, aber im Moment eher nicht. Das Buch von Sven habe ich auch noch nicht gelesen. Ich denke, er wird mir eins schenken, wenn wir uns das nächste Mal treffen.

Quelle: Allgäuer Anzeigeblatt (Interview: Andreas Körnes)