Springer Vierschanzentournee

Gänsehaut beim Goldsprung der Kollegin

Skispringerin Katharina Althaus aus Schöllang war beim Fest der weltbesten Wintersportler erstmals dabei. Die 17-Jährige erzählt, welche Erinnerungen bleiben werden

Für Skispringerin Katharina Althaus waren die Olympischen Winterspiele in Sochi der Saisonhöhepunkt. Die 17-jährige Gymnasiastin aus Schöllang landete bei ihrer Olympia-Premiere auf Rang 23 von der Normalschanze. Wir sprachen mit der Nachwuchsspringerin des SC Oberstdorf über ihre Erlebnisse in Russland und über den Stellenwert des Frauen-Skispringens, in dem erstmals olympische Medaillen vergeben wurden.

Wie viele Tage hast du in Sochi verbracht?
Katharina Althaus: Es waren acht Tage. Wir sind am 6. Februar gestartet, hatten am 11. Februar unseren Wettkampf und sind am 14. Februar wieder zurückgekommen.

Die Schlussfeier hast du verpasst.Warst du mit deinen Kolleginnen bei der Eröffnungsfeier?
Katharina Althaus: Nein, wir haben die Feier im Fernsehen auf unserem Hotelzimmer gesehen. Uns war der Trubel einfach zu groß. Deshalb haben wir uns entschieden, nicht hinzugehen.

Bist du mit Rang 23 zufrieden?
Katharina Althaus: Natürlich hätte ich mir eine bessere Platzierung gewünscht. Ich bin ja heuer schon ein paar Mal in die Top Ten im Weltcup gesprungen. Aber in Sochi ist es nicht so gut gelaufen. Ich habe den Absprung nicht optimal erwischt. Das hat sich natürlich auf die Weite ausgewirkt.

Warst du bei Olympia nervöser als bei den anderen Starts im Weltcup in dieser Saison?
Katharina Althaus: Ja, die Anspannung war größer, weil Olympische Spiele natürlich etwas ganz Besonderes sind und nur alle vier Jahre stattfinden. Die Nervosität wich auch nach dem ersten Sprung noch nicht und dauerte bis nach dem Wettkampf, obwohl wir ja von den Trainern keinen Druck hatten.

Deine Kollegin Carina Vogt sprang zu Gold. Hättest du das erwartet?
Katharina Althaus: Mit der Goldmedaille haben wir nicht unbedingt gerechnet. Das war Wahnsinn. Aber wir haben natürlich gehofft, dass Carina eine Medaille holt. Sie liegt ja im Weltcup auf Rang zwei und zählt zu den besten Springerinnen.

Du und deine Clubkollegin Gianina Ernst sowie Ulrike Gräßler standen ja im Auslauf und seid nach dem Siegsprung und dem Endergebnis zu Carina gestürmt und habt sie in die Arme genommen und gefeiert. War das einer der Höhepunkte für dich?
Katharina Althaus: Ja, auf alle Fälle. Wir haben an der Schanze nach Carinas zweitem Sprung mitgefiebert und mitgezittert. Es hat ja einen Moment gedauert, bis die Wertung da war. Als dann auf der Anzeigetafel die eins aufgeleuchtet hat, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Dieses Erlebnis war einmalig.

Wird sich durch Carinas Goldmedaille im Frauenskispringen etwas ändern oder ist der Olympiasieg schon wieder Schnee von gestern?
Katharina Althaus: Carinas Erfolg wird sich auf alle Fälle positiv auf das Frauenskispringen hier in Deutschland auswirken. Unsere Disziplin wird populärer und bekannter werden. Ich gehe auch davon aus, dass etliche Mädchen mal die Ski unterschnallen und Vereinen beitreten werden. Und der spannende Wettkampf in Sochi wird hoffentlich auch dafür sorgen, dass in vier Jahren Medaillen im Mixed vergeben werden. Bei der WM 2013 wurde dieser Wettkampf ja erstmals ausgetragen. Ich glaube, dass zu unseren Weltcups mehr Zuschauer kommen und auch die Fernsehzeiten mehr werden.

Waren denn die Sicherheitsvorkehrungen in Sochi so schlimm wie befürchtet?
Katharina Althaus: Nein, denn wir wussten ja, was auf uns zukommt und waren vorbereitet. Wenn man weiß, was alles passieren kann, nimmt man strenge Kontrollen in Kauf. Ich fühlte mich immer sicher, denn wir wohnten nicht im Olympischen Dorf, sondern in einem Hotel. Im Keller des Gebäudes waren 25 Bundespolizisten untergebracht und passten auf uns auf.

Hast du auch andere Wettkämpfen in Sochi besuchen können?
Katharina Althaus: Nachdem unserem Wettkampf vorbei war, blieben wir noch zwei Tage. Ich habe mir am ersten Tag Curling- und Eiskunstlauf-Wettbewerbe angeschaut, und am nächsten Tag waren wir beim Biathlon.

Gab es auch Kontakte zu anderen Sportlern?
Katharina Althaus: Wir gingen ja täglich ins Deutschen Haus zum Essen. Da gab es dann schon Gespräche mit Kollegen aus anderen Disziplinen. Wir sind zum Beispiel auch zur Siegesfeier der Rodler gegangen, um zu gratulieren. Zu Sportlern aus anderen Ländern gab es keine Kontakte, da wir ja nicht im Olympischen Dorf wohnten.

Welche Erinnerungen von den Olympischen Spielen werden bleiben?
Katharina Althaus: Ganz sicher der Augenblick, als Carina Vogt Gold gewann und die Siegerehrung am nächsten Tag. Generell war Olympia natürlich ein besonderes Highlight für mich. Bei einem solchen Großereignis überhaupt dabei zu sein und mitzuerleben ist ja einzigartig. Schließlich treffen sich ja nur alle vier Jahre die weltbesten Wintersportler an einem Ort.

Wie geht es jetzt weiter?
Katharina Althaus: Wir fliegen nach Rumänien zum nächsten Weltcup. Das Finale steigt am 22. März in Planica, wo die besten 30 starten dürfen. Ich gehe davon aus, dass ich dabei sein werde, denn im Moment liege ich im Weltcup auf Rang elf.

Und wann geht es wieder in die Schule?
Katharina Althaus: Ich war ja bereits in der vergangenen Woche wieder im Unterricht.

Schaffst du aufgrund der vielen Fehltage die zehnte Klasse im Oberstdorfer Gymnasium?
Katharina Althaus: Davon gehe ich aus, obwohl ich auf über 90 Fehltage kommen werde. Aber ich habe mir ja auch während der Wettkämpfe den Unterrichtsstoff nachschicken lassen und im Hotel gelernt. Außerdem kann ich den Nachhilfeunterricht in Anspruch nehmen. Die Bedingungen an unserer Schule sind ja optimal, wenn man Leistungssport betreibt. Dafür bin sich sehr dankbar.

Text/Interview: Werner Kempf, Allgäuer Anzeigeblatt

Katharina Althaus und Gianina Ernst
Katharina Althaus und Gianina Ernst
Katharina Althaus trägt sich ins Goldene Buch ein
Katharina Althaus trägt sich ins Goldene Buch ein