Springer Vierschanzentournee

Erstmals ohne Anspannung das Springen genießen

Interview mit Dr. Peter Kruijer, dem neuen Vorsitzenden des SC Oberstdorf

Seit 1974 ist Dr. Peter Kruijer aus Oberstdorf beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee dabei und doch feiert der 54-jährige bei der 61. Tournee seine Premiere. Erstmals begrüßt er in seiner neuen Funktion als Vorsitzender des Skiclubs Oberstdorf und Präsident des Organisationskomitees die Skisprungfans aus aller Welt ganz offiziell in der Erdinger Arena.

Herr Dr. Kruijer, bis zuletzt waren Sie als Leitender Rennarzt aktiv beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee eingespannt, heuer dürfen Sie erstmals repräsentieren. Fehlt Ihnen da was?

Dr. Peter Kruijer - Es ist natürlich schon eine neue Situation für mich. Aber endlich kann ich mich mal im Stadion aufhalten und ohne Anspannung den Wettkampf genießen. In den vergangenen Jahren hatte ich meinen Posten in der Stadionleitung im Funktionsgebäude, um von dort aus das Ressort Medizin zu koordinieren. Jetzt unten inmitten der Menge das Springen zu genießen, darauf freue ich mich sehr. Ich leite zwar noch offiziell das Ressort, aber während des Wettkampfs übernehmen meine Stellvertreter Dr. Thorsten Nusser und Dr. Volker Hüttig die verantwortlichen Posten. Und ich kann mich ganz meinem Amt als Skiclubvorsitzender widmen. Für mich wird es sicher eine neue Erfahrung, die ich genießen werde. Und sicher schaue ich mal in der Stadionleitung vorbei um ,Hallo‘ zusagen. Aber ich bin sicher, dass die Kollegen mich da nicht brauchen. Und auch insgesamt kann ich gelassen bleiben, weil ich weiß, dass die Veranstaltung top organisiert ist.

Wo begann denn die Tourneekarriere des Peter Kruijer?

Dr. Peter Kruijer - Außerhalb des Stadions. Das war 1974, als ich als 17-jähriger im Dienste der Freiwilligen Feuerwehr für den Absperrdienst eingeteilt war. 1986 war ich dann als Zeitnehmer im Kampfgericht und seit 1987 bin ich im Ressort Medizin tätig. Was kaum einer weiß: Bei der WM 1987 hatte ich eine Wechselakkreditierung. Vormittags war ich als Zeitnehmer im Langlaufstadion, nachmittags als Mediziner bei den Skispringern.
Mittlerweile ist die ganze Familie Kruijer voll dabei. Meine Frau Gabi koordiniert die Dopingproben, unsere Tochter Nicola macht bei den Turmhexen mit, die für die Verpflegung von Sportlern, Funktionären und Journalisten zuständig sind, und unser Sohn Christian hilft auch bei den Dopingkontrollen.

Sie haben im Sommer im SCO die Rollen mit dem bisherigen Vorsitzenden Josef Geiger getauscht, der nun, gemeinsam mit Willi Geiger, ihr Stellvertreter ist. Wie läuft die Arbeit im Verein?

Dr. Peter Kruijer - Es läuft hervorragend. Vor allem auch deshalb, weil wir ja ein eingespieltes Team im Vorstand sind. Willi, Josef und ich waren ja bereits in den vergangenen Jahren im Vorstand, nur eben mit vertauschten Rollen, was Josef und mich anbelangt. Aber nicht nur im SCO, sondern auch in der Umsetzung der Sportgroßveranstaltungen läuft es bestens. Hier haben wir mit dem Team der Skisport- und Veranstaltungs GmbH um Geschäftsführer Stefan Huber professionelle Strukturen, die man heutzutage einfach braucht, um solche Events wie die Vierschanzentournee, das Skifliegen und weitere Weltcups zu stemmen. Nicht umsonst zählen die Veranstaltungen in und um Oberstdorf zu den bestorganisierten ihrer Art.

Auch im Verein haben sich die Strukturen geändert?

Dr. Peter Kruijer - Ja, wir haben mit Roland Frey erstmals überhaupt einen hauptamtlichen „Sportlichen Leiter“ im SCO eingestellt. Sein Auftrag ist es, die Nachwuchsarbeit im Club zu forcieren, die Vorstandschaft zu entlasten und das Bindeglied zwischen der ehrenamtlichen „Chefetage“ und den Trainern zu sein. Nur so wird es uns in Zukunft gelingen, immer wieder Spitzensportler aus dem SCO hervorzubringen. Und die brauchen wir als Aushängeschilder des Vereins, um immer wieder neue Nachwuchsathleten heranzuziehen.

Dr. Peter Kruijer - Im Skispringen ist Karle Geiger aktuell ein Aushängeschild. Was trauen sie dem jungen Oberstdorfer denn bei der Tournee zu?

Erst einmal freue ich mich für Karle, dass er in seiner ersten Weltcupsaison überhaupt so super zurechtkommt und mit dem sechsten Platz in Sotschi bereits unter die Top Ten kam. Das ist sensationell. Außerdem kam er in sieben Weltcup-Bewerben nur einmal nicht ins Finale der besten 30. Ich bin jedenfalls mächtig stolz auf Karle und drücke ihm für den Tourneeauftakt in Oberstdorf kräftig die Daumen. Das ganze Allgäu steht hinter ihm und die Fans in der Arena werden ihn mit einem lauten Zieeeeeh schon hinunter treiben. Die Plazierung ist da erst einmal zweitrangig. Ich freue mich für Karle, dass er mit seinen 19 Jahren fest zum Weltcupteam des DSV zählt und in ein paar Tagen auf seiner Heimschanze hier in Oberstdorf vor über 20.000 Zuschauer über den Bakken gehen darf. Davon träumt doch ein jeder Skispringer.

Apropos Träumen. Welchen Traum würde sich denn der SCO-Präsident gerne erfüllen?

Dr. Peter Kruijer - Das ist ganz einfach. Für mich wäre es absolut traumhaft, wenn ich als SCO Vorsitzender bei einer Nordischen Skiweltmeisterschaft in Oberstdorf einer Sportlerin oder einem Sportler des SCO die Goldmedaille umhängen dürfte.

Dr. Peter Kruijer
Dr. Peter Kruijer