Springer Vierschanzentournee

Einfach Sch(n)ee

Vorbereitungen für den Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf laufen auf Hochtouren. Schnee aus der Maschine hilft Veranstaltern auf die Sprünge

„Das sieht ja schon richtig wie Winter aus“, ruft der kleine Kilian begeistert. Mit seinen Eltern ist er zur Erdinger Arena in Oberstdorf gekommen, um schon mal die Lage zu checken. Karten für das Auftaktspringen zur Vierschanzentournee haben die Weihnachtsurlauber bereits. Eigentlich wollten sie an ihrem ersten Ferientag zum Skifahren gehen, weil es aber fast überall an Schnee mangelt, sind sie nun, wie viele andere auch, lieber zur Schanze gepilgert. Gebannt schauen sie zu, wie die Lastwagen die kostbare weiße Fracht abladen und die Arbeiter sich gleich dran machen, jede neue Fuhre auf dem Auslaufhang zu verteilen.

„Das OK-Team arbeitet mit Hochdruck Tag und Nacht daran, dass wir wieder eine Top-Veranstaltung auf die Beine stellen“, erzählt der Vorsitzende des Skiclubs Oberstdorf, Dr. Peter Kruijer. Und, siehe da, es wird: Meter für Meter wächst das weiße Band im Stadion. Kruijer wirkt fast erleichtert, dass man zum richtigen Zeitpunkt wichtige, wenn auch schwierige Entscheidungen getroffen hat. Auch dank der Empfehlung des beratenden Wetterexperten Joachim Schug, der in den vergangenen Wochen mit seinen Wettervorhersagen richtig gelegen hat. „Hätten wir abgewartet und uns auf echten Schneefall oder brauchbare Temperaturen zur Herstellung von Maschinenschnee verlassen, dann würde es jetzt schlecht um den Auftakt stehen“, sagt Kruijer.

Seitdem es aber die Unterstützung der finnischen Firma „Snowtec“ gibt, die dank zweier zehn Meter hoher Silos Frau Holle auf die Sprünge hilft, geht es mit großen Schritten in Richtung Tourneestart. 1000 Kubikmeter wurden inzwischen produziert. Dazu kommt noch der Schnee, der schon vor der Anreise der Finnen im Aufsprunghang vorhanden war. Die Kosten dafür werden von den Ausrichtern nicht verraten. Zufrieden sind sie in jedem Fall: Eine solide Grundpräparierung für das Großereignis am 27. und 28. Dezember ist gesichert. „Wenn es so gut weiterläuft mit der Produktion und der Anlieferung, dann steht dem Tournee-Auftakt nichts mehr im Wege“, meint Stefan Huber, Geschäftsführer der Skisport- und Veranstaltungs GmbH, angesichts jeder neuen Lkw-Ladung voll des „weißen Goldes“, wie sie in Oberstdorf augenzwinkernd sagen.

Für Donnerstag und Freitag melden die Wetterfrösche zudem den ersehnten „Schnee in Oberstdorf“. Das würde den Veranstaltern trotz des jetzigen Einfallsreichtums in die Karten spielen. „Auch wenn es im Vorfeld nicht geklappt hat, wäre es sehr schön, wenn rechtzeitig zum Tourneestart Naturschnee fallen würde“, sagt Huber. Nicht nur, um Oberstdorf und die Region Allgäu bei der Tournee der ganzen Welt als Winterdestination präsentieren zu können. Der Organisator denkt bereits ein Stück weiter: Denn für die Langlaufserie „Tour de Ski“, die am 3. und 4. Januar ebenfalls in Oberstdorf einmal mehr ihren Auftakt erleben soll, brauchen die Veranstalter noch jede Menge Schnee. „Und das
natürlich am liebsten ganz traditionell von oben“, bringt es Huber auf den Punkt.

Text: Elke Wiartalla, Allgäuer Anzeigeblatt 24.12.2014

Präparierung in der Erdinger Arena
Präparierung in der Erdinger Arena