Springer Vierschanzentournee

Dieser Erfolg beflügelt

Bislang blieb Katharina Althaus der Sprung aufs Podest verwehrt. Doch in Schweden wurde der Bann gebrochen. Jetzt reist sie mit einer Goldmedaille heim

Es ist erst drei Wochen her, da hätte Katharina Althaus die Hoffnung beinahe aufgegeben. „Ich bin scheinbar zu dumm, um aufs Podest zu springen“, sagte die 18-Jährige vom SC Oberstdorf voller Enttäuschung, als sie beim Weltcup in Hinzenbach „nur“ Vierte geworden war. Nach einem fünften und zwei sechsten Plätzen in dieser Saison schien ihr der Durchbruch einmal mehr versagt zu bleiben. Trost fand sie bei Stützpunkt-Trainer Peter Leiner (49): „Wart’s ab, Madel“, sagte der gebürtige Oberbayer. „Bleib in der Ruhe und irgendwann passiert es von ganz allein.“
Genau so ist es gekommen. Am Sonntag mischte Althaus, die in ihrer Freizeit Flügelhorn spielt, bei der Nordischen Ski-WM in Falun furios mit im Konzert der Großen: Mit Sprüngen auf 91 und 92,5 Meter steuerte sie als dritte Springerin entscheidende Meter auf dem Weg zur Goldmedaille im Mixed-Wettbewerb bei. „Ihre Punkte haben es ausgemacht“, lobte Bundestrainer Andreas Bauer die Leistung des jüngsten Mitglieds im Team um Carina Vogt, Richard Freitag und Severin Freund. „Es war so unglaublich spannend. Ich habe es bis jetzt noch gar nicht richtig begriffen“, sagte die Schülerin einen Tag nach der Flugshow von Falun. Erst mit dem letzten Sprung von Freund stand Deutschland mit 917,9 Punkten als Sieger vor Norwegen (915,6) und Japan (888,2) fest.
Um sich des Erfolgs zu vergewissern, trug Althaus ihre Medaille danach wie einen Talisman mit sich. Das glänzende Goldstück in der Tasche – und eine rosige Zukunft vor Augen: So reist sie mit dem Team wieder ab. Dieser Erfolg beflügelt“, sagte sie strahlend. Dieser Meinung sind auch Bauer und Leiner: „Das war ein ganz wichtiger Schritt“, betonen die beiden unisono. Bei dieser WM kann Althaus ihre Flugkünste allerdings nicht mehr demonstrieren: Anders als bei den Männern gibt es für Frauen (noch) keine Wettkämpfe von der Großschanze. „Ich hoffe, das wird sich bald ändern“, sagt die mutige Allgäuerin, die als „Sonnenschein“ (Bauer) im Team gilt. Nach ihrer Glanzleistung erreichten sie am Tag nach ihrem Gold-Coup Glückwünsche in Serie. „Ich komme gar nicht dazu, sie alle zu beantworten. Wahnsinn“, sagte sie kopfschüttelnd. Besonders freut sie sich auf die Feier mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern, die ebenfalls Skispringen. Es gibt schließlich eine Menge zu erzählen, von diesen traumhaften WM-Tagen in Falun.

Text: Tobias Schuhwerk, Allgäuer Anzeigeblatt, 24.02.2015

Falun 2015
Falun 2015