Springer Vierschanzentournee

Der Siegermacher

Andreas Bauer war als Trainer am Gewinn von 46 WM-Medaillen beteiligt. Auch in Falun lief es gut für ihn und seine Schützlinge. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Allgäuers?

Wer mit Andreas Bauer in diesen turbulenten Tagen in Schweden unterwegs ist, erlebt immer eine Überraschung. Zum Beispiel im Funkloch von Falun. Gestern, am Ruhetag bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft, brach kurzzeitig das Mobilnetz zusammen. Und was macht der Allgäuer, der in verschiedenen Trainerfunktionen schon an 46 (!) deutschen WM-Medaillen beteiligt war? Er parliert mal eben kurz mit einer WM-Helferin über einen Lösungsweg – und zwar auf schwedisch! Für den Bundestrainer der deutschen Skispringerinnen ist das nur ein Klacks. Seine Ehefrau Irene, 44, mit der er die sportbegeisterten Söhne Marius, 14, und Mathias, 11, hat, stammt aus Norwegen. Die beiden skandinavischen Sprachen seien ziemlich ähnlich. „Das ist in etwa so, wie wenn sich ein Allgäuer mit einem Tiroler unterhält“, sagt Bauer und grinst.
Das Funkloch kann zwar selbst der Oberstdorfer an diesem Vormittag nicht beseitigen, doch den heißen Draht zu „seinen“ Sportlern findet der 51-Jährige ansonsten immer. Bauer ist der Jogi Löw im nordischen Wintersport. Ähnlich wie dem Fußball-Bundestrainer blieb ihm – abgesehen vom Weltcupsieg in Garmisch 1987 – der ganz große Wurf verwehrt.
Doch als Trainer ist er Weltklasse. In Falun holte zunächst sein Schützling Carina Vogt Gold von der Normalschanze. Im Mixed-Wettbewerb folgte der zweite WM-Titel, an dem neben Vogt auch die Oberstdorferin Katharina Althaus beteiligt war. Gemeinsam mit Richard Freitag und Schlussspringer Severin Freund, die von Bauers Kumpel Werner Schuster (Kleinwalsertal) betreut werden, ging der Gold-Reigen von Falun in die nächste Runde. „Es ist einfach toll, wenn man etwas neu aufbaut und solche Erfolge erleben darf“, sagt Bauer, der seit vier Jahren Chef der DSV-Springerinnen ist. Doch als Boss würde er sich selbst nicht bezeichnen. Er sieht sich als Teamplayer. Einer, der alle zur Höchstleistung motivieren kann. Egal, ob sie im Rampenlicht stehen oder im Container die Ski präparieren, wie Trainer Peter Leiner bei der Mixed-Entscheidung. Andererseits weiß er auch um seine exponierte Stellung: Wenn Gegenwind kommt, muss er als Bundestrainer standhalten. Genau das hat er vor dem Mixed-Coup getan.
Er setzte auf Katharina Althaus statt auf Juliane Seyfarth, die im Einzelspringen als 14. drei Plätze besser war als die Allgäuerin. Prompt war Seyfarth sauer, was den Druck auf Althaus erhöhte. Bauer war als Psychologe gefordert. „Katharina, spring einfach und setz deine Technik ein. Ich stehe dafür gerade, egal, wie es ausgeht“, nahm er im Gespräch mit der jüngsten Springerin den Druck von ihren Schultern. Die Rechnung ging auf. Goldschmied Bauer hatte für den Deutschen Skiverband ein weiteres Schmuckstück auf den Weg gebracht. „Katharina hat mit ihrer Leistung seine Entscheidung bestätigt“, lobte Schuster seinen Trainerkollegen. Andreas Bauer gilt als akribischer Arbeiter, der immer auf dem neuesten Stand der Trainingsforschung ist, und viel über seine Disziplin grübelt. Dann sagt er Sätze wie: „Das schwierige am Skispringen ist der Moment der Nicht-Wiederholbarkeit.“ Bedeutet: Im Skispringen bleibt keine Zeit, einen Fehler zu korrigieren. In Sekundenbruchteilen fällt die Entscheidung.
Dafür ackert Bauer seit seinen Anfängen als Skispringer. Nach seiner aktiven Karriere war er Co-Trainer der Männer unter dem legendären Reinhard Heß, später Sprungtrainer der Kombinierer, jetzt betreut er die Skispringerinnen.
Egal, wo Bauer bislang wirkte, der Erfolg hat ihn stets begleitet.

Text: Tobias Schuhwerk, Allgäuer Anzeigeblatt, 24.02.2015

Bauer
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Falun 2015
Falun 2015