Springer Vierschanzentournee

Der beste Eddie aller Zeiten

Die Stadion-Dreharbeiten zu „Eddie the Eagle“ in Oberstdorf, Garmisch und Seefeld sind abgeschlossen. Die Beteiligten schwärmen jetzt schon von atemberaubenden Aufnahmen.

Nach dem Skispringen ist vor der Studioarbeit. Die Macher des Kinofilms über den britischen Kultspringer Michael Edwards alias „Eddie the Eagle“ sind in den kommenden Monaten nicht zu beneiden. Der britische Regisseur Dexter Fletcher und sein Team haben in den vergangenen Wochen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Seefeld unzählige Stunden an Filmmaterial gesammelt. Jetzt müssen die besten Szenen ausgewählt werden, damit der Film über den britischen Kultspringer wie geplant im Frühjahr 2016 in die Kinos kommt. „Die Crew hat atemraubende Szenen im Kasten. Das ist Skispringen in einer völlig neuen Dimension. Im Kino werden wir die besten Sprungszenen aller Zeiten sehen“, sagt Michael Schmidt (47), der bei den Dreharbeiten einen wichtigen Part innehatte. Der gebürtige Sauerländer, der in der Springerszene bestens vernetzt ist, schickte 18 aktive und ehemalige Skispringer ins Rennen, die als
Doubles für Hauptdarsteller Taron Egerton von der Schanze sprangen. Bis zu acht Sprünge pro Tag absolvierte jeder von ihnen – und zwar im Parallelstil, der heute gar nicht mehr gelehrt und gesprungen wird.

Anders war das Ende der 1980er Jahre, zu den Glanzzeiten von Eddie the Eagle. Sein Markenzeichen: Letzte Plätze in Serie, ungebrochener Wille und stets lockere Sprüche. Mit dieser Mischung wurde der gelernte Maurer mit dem Schnauzbart zum beliebtesten Bruchpiloten aller Zeiten. 1987 belegte er bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf mit
73,5 Metern den letzten Platz – und sicherte sich dennoch als erster britischer Skispringer das Ticket für die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary/Kanada. Dort wurde er von den Massen mindestens genauso gefeiert wie der damalige Doppel-Sieger Matti Nykänen (Finnland).

Daran kann sich beispielsweise der heutige Skisprung-Frauentrainer Andreas Bauer (51) erinnern.Der Oberstdorfer sprang in Calgary direkt nach Eddie the Eagle und musste stets über den Kauz schmunzeln.„Ich habe ihn als kultigen und absolut sympathischen Sportler in Erinnerung. Aber es gab auch Springer, die es nicht so witzig fanden, dass er ohne Qualifikation zu Olympia durfte“, erinnert sich Bauer

Doch egal ob er auf Spott oder gar Ablehnung stieß: Eddie the Eagle ließ sich nicht beirren: Als Laie, der seine Knochen riskierte, verwirklichte er seinen Olympia-Traum und eroberte die Herzen der Fans – zum Beispiel mit selbstironischen Sprüchen wie diesem: „Alles, was ich wollte, war mein Bestes geben, mit allem, was ich hatte – und das war nicht viel.“ Ein Stoff wie gemacht für einen Kinofilm. Wenngleich sich Michael Edwards nicht selbst spielen darf. Dafür traf sich der einstmalige Adler, der heute als Motivationstrainer in der englischen Grafschaft Gloucestershire lebt und arbeitet, mit Darsteller Taron Egerton. Das sei ein netter Kerl, sagte Eddie in einem Interview und betonte: „Ich freue mich auf den Film.“ Besonders die Flugszenen dürften für Furore sorgen: Betreuer der Doubles war Vic Armstrong, ein britischer Stuntman, der schon mehrfach für seinen technischen Erfindungsreichtum ausgezeichnet wurde. Auch in Oberstdorf wurden die Grenzen neu ausgelotet: So filmten sich die Springer teils gegenseitig mit Fuß- und Kopfkameras in der Luft, erzählt Schmidt. Lob erhielten die Jungs von Hollywood-Star Hugh Jackman: „Wahnsinn, was ihr leistet“, sagte der Schauspieler beim Besuch des Schanzenturms in Oberstdorf.

Text: TOBIAS SCHUHWERK Allgäuer Anzeigeblatt 9. APRIL 2015
Bilder: privat

Eddie-Doubles in Oberstdorf
Eddie-Doubles in Oberstdorf
Andi Bauer und Eddie the Eagle
Andi Bauer und Eddie the Eagle