Springer Vierschanzentournee

Arm und reich zugleich

Allgäuer Skiverband Vorsitzender Dr. Peter Bösl blickt zufrieden zurück. Nur am Schnee mangelte es.

Es war das Jahr eins des neuen Vorsitzenden vom Allgäuer Skiverband (ASV), Dr. Peter Bösl aus Fischen. Ein Jahr, das er in seinem Rückblick auf der Jahresversammlung als arm und reich zugleich bilanzierte. Arm an Schnee, aber umso reicher an tollen Veranstaltungen in der Region und Topleistungen der Wintersportler. Die Erfolgsliste ist lang und vielfältig: Auf Bundesebene, im Weltcupgeschehen und als Olympiateilnehmer
– überall und in allen Disziplinen mischten Allgäuer Athleten kräftig mit. Auf der Bühne im Betzigauer „Hirsch“ wäre es bei der traditionellen Ehrung denn auch eng geworden, wenn nicht etliche der Topathleten schon wieder im Trainingsgeschäft unterwegs wären.

Dr. Peter Bösl durfte zufrieden auf sein erstes Amtsjahr zurückblicken. Auch im Allgäu habe es wenig Schnee gegeben. Im Vergleich zu anderen deutschen Stützpunkten sei
man jedoch gut aufgestellt gewesen; hochkarätige Veranstaltungen wie eine deutsche Meisterschaft im Langlauf hätten anderswo im März unmöglich noch stattfinden können.
Das Allgäu Schneeloch Rohrmoos habe es möglich gemacht, ein Rennen mit Topergebnissen für die Allgäuer durchzuziehen. Auch im Alpinbereich, ohne Weltcup in Ofterschwang, sei der größte Teil der Rennen möglich gewesen. „Allerdings zulasten des Trainings“, räumte Dr. Bösl ein, denn da gab es für manchen Verein doch arge Probleme.

Der Sprungbereich sei dagegen in der Oberstdorfer Erdinger Arena ohnehin in besten Händen. Dort hatte im Sommer mit dem Grand Prix in der Nordischen Kombination
auch der erste große Wettbewerb stattgefunden, der mit Lokalmatador Johannes Rydzek als Tagessieger eine ideale Dramaturgie lieferte. „Was die Oberstdorfer dort auf die Beine stellen, ist absolut publikumsfreundlich und zukunftsweisend“, lobte Dr. Bösl.

Nahezu ein Selbstläufer sei die Vierschanzentournee, die in ihre 62. Auflage den größten Besucheransturm seit 2004 erlebt habe. Ein Weltcup in der Nordischen Kombination unter erschwerten Bedingungen mit traumhafter Stimmung und Top-Ergebnissen für die Deutschen und ein tief beeindruckender Weltcup der Behindertensportler standen als weitere Großevents auf dem Programm. Das Highlight des Winters jedoch seien die Olympischen Spiele in Sotschi gewesen, für die sich 13 Allgäuer Athleten qualifiziert
hatten. Nicole Fessel und Johannes Rydzek kehrten mit Medaillen in die Heimat zurück.

Den Grundstein für große Erfolge lege die Trainingsarbeit in den 250 zum ASV zählenden Vereinen. 450 Allgäuer Wintersportler trainierten in den verschiedenen Kadern, 36 finden sich im Spitzenfeld des deutschen A/B-Kaders. Am Bundesstützpunkt
Oberstdorf sei die Zahl der Athleten mit 86 gegenüber 96 im Vorjahr leicht rückläufig, das Niveau aber weiter hoch. Im Trainerbereich gab es einige Wechsel. Die Alpinen setzen weiter auf Anette Schmid und Konni Nieberle, während im Langlauf künftig Johannes Heinl und Christian Dotzler die Klasse U16/18 betreuen. „Ein Job, den eigentlich der bayerische Verband erledigen müsste und der sicher zulasten des Schülerbereichs
bei uns geht“, so Bösl. Maximilian Mechler (Isny) als neuer Trainer für die Nachwuchsspringer solle unter anderem helfen, den in der Kritik stehenden Stützpunkt in
Füssen mit Leben zu füllen. „Da ist in den letzten Jahren viel zu wenig gekommen“, räumte Dr. Bösl ein. Durch Werbung für das Springen an Schulen und Schnupperkurse auf der Schanze gebe es derzeit jedoch einen Ruck nach vorn. Auch andere Felder seien zu beackern. So gelte es weiter, die Traineraus- und -fortbildung zu verbessern.
Der Internet-Auftritt, nicht gerade ein Aushängeschild des ASV, brauche ein neues Gesicht. Zudem solle das Biathlonzentrum in Nesselwang, das es durch den Schneemangel im letzten Winter schwer hatte, durch eine größere Veranstaltung im Sommer wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Kassier Tobias Gudermann (Durach) berichtete von einem finanziell schwierigen Jahr, weil ein großer Sponsor wegfiel und man für einen Trainer im Alpinbereich in Vorleistung gegangen war. Dennoch gab es ein knappes Plus in der Kasse.

Text: Allgäuer Zeitung