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Andreas Bauer - Der Frauenversteher

Andreas Bauer aus Oberstdorf betrat berufliches Neuland, als er Bundestrainer der Skispringerinnen wurde

Am Anfang haben seine Trainerkollegen vermutlich ein bisschen gelächelt. Hinter vorgehaltener Hand natürlich. Darüber, dass Andreas Bauer Trainer der deutschen Skispringerinnen werden würde. Auch auf manchen Aussenstehenden wirkte die Personalentscheidung wie eine Degradierung. Hatte der Oberstdorfer doch schon acht Jahre als Assisent der Trainer-Legende Reinhard Heß bei den Männern gearbeitet. Zu den Hoch-Zeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt. Skispringen erzielte im Fernsehen Traumquoten.

Der Traum war vorbei, als Hannawald seine Karriere beendete und Schmitt im Formtief verschwand. Bauer ging für die folgenden sieben Jahre zu den Nordischen Kombinierern, feierte den Gewinn von WM- und Olympia-Medaillen und wechselte im Sommer 2011 überraschend zu den Frauen. Die fristeten ein Nischendasein. Viele standen den fliegenden Sportlerinnen skeptisch gegenüber. Dies also war das Umfeld,
in dem sich Bauer als Bundestrainer wiederfand. Er betrat Neuland. Sein Vorgänger Daniel Vogler hatte den Job noch nebenberuflich gemacht.

Das Wort Fingerspitzengefühl bekam für ihn eine neue Bedeutung

"Ich wusste nicht, was mich erwartet", sagt Bauer heute. Die Vorzeichen aber waren gut. Die FIS hatte sich gerade dazu durchgerungen, den Frauen ab der Saison 2011/2012 einen eigenen Weltcup zu gönnen. Und: Im April 2011 beschloss das Internationale Olympische Komitee, Skispringen der Frauen ins olympische Programm aufzunehmen. Bauers Auftrag war damit klar: Bis zu den Winterspielen im russischen Sotchi 2014 soll er eine Mannschaft formen, die Medaillen gewinnen kann.

Daran arbeitet der 48-jährige mit viel Akribie und Einsatz und leistete vor allem im wissenschaftlichen Bereich viel Aufbauarbeit. Bauer, der als Aktiver zu einem Weltcupsieg brachte und als Trainer bislang nur mit Männern gearbeitet hatte, lernte noch einmal komplett um. Das Wort Fingerspitzengefühl bekam für ihn eine neue Bedeutung. Männliche Athleten könne man direkter auf Fehler ansprechen und Korrekturwünsche, forscher formulieren sagte er einmal. "Die Athletinnen nehmen das ein bisschen persönlicher, da muss man feinfühliger sein."

Inzwischen dürfte auch seinen Trainerkollegen das Lachen vergangen sein. Die deutsche Mannschaft hat eine gute Entwicklung genommen. Gewinnt sie in Sotschi Medaillen, wird vor allem einer lachen: Andreas Bauer.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt

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