Springer Vierschanzentournee

An einem guten Tag sind meine Mädels zu allem fähig

Der Oberstdorfer Andreas Bauer ist seit zwei Jahren Bundestrainer der deutschen Skispringerinnen. Mit einem verjüngten Team startet er zuversichtlich in die Olympia-Saison

Zwei Wochen nach ihren männlichen Kollegen starteten auch die weltbesten Skispringerinnen im norwegischen Lillehammer in die Weltcup-Saison. Und es ist eine ganz besondere: im Februar feiert Frauen-Skispringen in Sotchi olympische Premiere. Wir wollten von Bundestrainer Andreas Bauer, 49, aus Oberstdorf wissen, mit welchen Erwartungen er in diesen Winter startet.

Herr Bauer, bereitet man seine Athletinnen auf einen Olympia-Winter anders vor als in den letzten Jahren?
Andreas Bauer: Natürlich sind Olympische Spiele eine ganz besondere Motivation – vor allem für die Mädels, die das erste Mal zu Olympia dürfen. Jede fiebert diesem Großereignis entgegen und ist bis in die Haarspitzen motiviert. Die Vorbereitung läuft ähnlich, da hat man einen gewissen Rhythmus. Wir haben unsere Wettkämpfe im Sommer bestritten und konnten auf der tollen Anlage in Oberstdorf richtig gute Trainingseinheiten absolvieren. Die Eisspur dort bietet absolut ideale Voraussetzungen. Letzte Woche war ich mit meinen acht Mädels noch in Lillehammer, wo wir auch am Wochenende springen.

Es dürfen aber doch nicht alle acht Springerinnen starten, oder?
Bauer: Ja, wir haben nur sechs Startplätze im Weltcup. Deshalb bin ich jetzt bei einigen wieder der Böse, weil ich natürlich aussieben musste. Melanie Faißt, eine sehr erfahrene Springerin, muss leider zu Hause bleiben, ebenso wie ihre Schwarzwälder Kollegin Ramona Straub.

Wie schnitten die Allgäuerinnen ab?
Bauer: Aufgepasst, sie belegten die Plätze eins und zwei ...
Wie bitte? Es gibt doch mit Katharina Althaus nur eine Allgäuerin im Weltcup-Team...
Bauer: Ja, bis vor kurzem schon. Aber wir haben Nachwuchs bekommen. Sehr guten sogar. Gianina Ernst ist erst 14, kommt ursprünglich aus Winterthur in der Schweiz und entschied sich wegen ihrer doppelten Staatsbürgerschaft im Mai dazu, sich dem Skiclub Oberstdorf anzuschließen und im Internat zu trainieren. Sie hat unglaubliche Fortschritte gemacht – und hat sich ihre Chance im Weltcup verdient.

Was trauen Sie Katharina Althaus zu?
Bauer: Katharina hat sich jedes Jahr kontinuierlich weiterentwickelt. Auch in diesem Sommer, als sie beim Sommer-Grand-Prix in Almaty erstmals auf dem Podest stand. Das war schon ein kleiner Meilenstein für sie. Und Anfang Oktober ist sie deutsche Meisterin geworden. Katharina ist zwar nach Gianina nur noch die Zweitjüngste im Team,
aber sie ist für mich immer noch der unbekümmerte Newcomer. Auch sie ist an einem Tag, an dem alles gut läuft, zu allem fähig.

Die DSV-Führung gibt ja auch für Sotchi eine klare Zielsetzung bezüglich der Medaillen aus. Glauben Sie, dass Sie mit den Skispringerinnen da Ihren Beitrag leisten können?
Bauer: Auf alle Fälle. Es ist zwar schade, dass wir nur einen Wettkampf in Sotchi haben. Aber für 2018 ist der Team-Wettbewerb für Frauen auch schon beantragt – und dann hätten wir eine zweite Möglichkeit. So haben wir nur einen
Wettkampf. Das ist natürlich ein bisschen hopp oder top. Aber wir sind wie gesagt topmotiviert, dass wir alle vier Athletinnen an den Start bringen, von denen dann jede in der Lage sein wird, an einem guten Tag um eine Medaille und um das Podest mitzuspringen.

Wie sehr träumen auch Sie als Trainer von einer Olympia-Medaille?
Bauer: Bei Olympia muss man natürlich eine Medaille anvisieren. Und unser Ziel ist, alle vier Startplätze auch zu besetzen. Letztes Jahr war Carina Vogt bei der WM als Fünfte knapp geschlagen. Aber jetzt sind wir breiter aufgestellt. Ich denke, wir sind zur Zeit gut im Fahrplan, was den Saisonhöhepunkt Olympia angeht.

DSV-Präsident Alfons Hörmann wird den Skiverband in Richtung DOSB verlassen. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Bauer: Als Allgäuer sehe ich das natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich kann Alfons Hörmann als positiver Macher viel für den deutschen Sport bewegen – natürlich auch noch für den Skisport. Auf der anderen Seite wären wir aus Allgäuer Sicht nie so weit wie wir jetzt sind. Wenn man an die Projekte denkt, die Alfons
Hörmann in den letzten Jahren angeschoben hat: das Alpine Trainingszentrum am Oberjoch, die ganzen Sprungschanzen, die Rollerbahn, das Sportinternat in Oberstdorf und so weiter. Da müssen wir uns jetzt schon so aufstellen, dass wir das auch ohne ihn mit Kontinuität und Qualität auf diesem Niveau weiterführen können. Und natürlich hoffe ich, dass er bei PROSPORT, einem Verein, der den Sport in der Region so vorbildlich unterstützt, den Vorsitz behält.

Interview: Thomas Weiss, Allgäuer Anzeigeblatt

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